Citizen Science und Ausbeutung 2.0

Citizen Science und Ausbeutung 2.0

Es gibt nicht wenige Menschen, die hochmotiviert und unentgeltlich an Projekten mitarbeiten. Diese Form der Kollaboration von Laien und Wissenschaftlichern heißt Citizien Science. Bürger helfen der Wissenschaft soll das wohl heißen. Der Artikel Astronomie von unten im Freitag berichtet über das Citizen Science Projekt GalaxyZoo. Auf der Websites des Projektes steht:“ Welcome to Galaxy Zoo, where you can help astronomers explore the Universe.“ Zehntausende von Mitglieder helfen die Millionen von Galaxien per Hand zu klassifizieren. Dabei sollen bisher nicht automatisierbare Prozesse von Menschen erledigt werden.

Auch nicht-wissenschaftliche Projekte wie Google Map Maker versuchen ihre Daten mithilfe von Crowdsourcing zu erweitern. Dabei gibt der User  jedoch sämtliche Rechte an seinen Daten ab. Die von Google Map Maker dargestellten Informationen sind nicht mehr frei und Google kann damit tun was es will. Weitaus mehr Sinn macht es an Projekten mitzuarbeiten die eine offene Lizenz vergeben. Sowohl auf die Rohdaten, als auch am fertigen Werk. So kann der Nutzerkreis vergrößert werden, weil mehr Benutzer auf die Daten zugreifen können. Kollaboriert gesammelte Daten gehören der Community.

Schließt ein Projekt Nutzungsrechte aus, ist dies nur als ein Versuch des Outsourcings von einfacher, aber personalintensiver Arbeit zu werten. Kollaboration-und Partizipationsprojekt besitzen wenn sie ehrlich gemeint sind eine reziproke Dimension.  Ein besonders gelungenes Beispiel ist die OpenStreetMap oder eBird. Ein wichtiges Projekt im Zusammenhang mit Citizen Science ist das Tagfalter-Monitoring Deutschland“. Freiwillige erfassen tagaktive Schmetterlinge.

Damit sich der alte König nicht mit neuem Gewand kleidet, würde ich mir im Kontext von Crowdsourcing, C2G-Open Data/Kollaboration mehr Seiten wie die französische Open Data Fail Webseite wünschen. Das Team aus Roubaix versucht Projekte zu entlarven die sich als Open Data ausgeben aber nicht sind.

Das Gefühl allein, an etwas „Großen“ teilgenommen zu haben an dem weder ein Mitspracherecht noch ein freien Zugang (frei nach der Definition von Richard Stallmann) zu den Resultaten eingeräumt wird riecht nach Ausbeutung und hat nichts mit einem Verständnis von Kooperation zu tun. Wissenschaftliche Publikationen die ihre Daten auf diese Weise erhalten, gehören kostenlos zur Verfügung gestellt. Mindestens aber die Rohdaten müssen technisch brauchbar aufgearbeitet allen zur Verfügung gestellt werden. Open Access bedeutet aber für bestimmte Teile der Wissenschaft aber auch die Aufgabe des Elfenbeinturms und eine Transparenz, die nicht jeder Wissenschaftler zu schätzen weiß.

Citizen Science heißt nämlich auch,  Theorien und Schlußfolgerung von Laien, die im besten Falle wissenschaftlich gespiegelt, einen Erkenntnisgewinn versprechen. Die ehemals scharfe Abgrenzung vom Experten und Laien schwindet dabei aber ebenso. Zwar ist die Professionalisierung der Wissenschaft soweit fortgeschritten, dass der Wissenszuwachs von „Laien“ zu „Experten“ nicht als besonders reichhaltig zu bewerten ist. Der Fokus liegt aber vielmehr darin, dass eine immer stärker spezialisierte Gesellschaft einen Dialog über den einzelnen Sprachen der gesellschaftlichen Teilbereiche benötigt.

Kurz:

Citizen Science ohne Open Access bzw. Open Data ist Ausbeutung 2.0!

Damian Paderta
Damian Paderta
Webgeograph & Digitalberater