Big Data – Big Problem?

Big Data - Big Problem?

Was macht Big Data so problematisch?

Im Alltag ist Anonymität die tagtäglich erlebte Erfahrung. Wir gehen eine Straße entlang, kaufen eine Zeitung, ohne uns ausweisen zu müssen, beim Lesen der Zeitung schaut uns keiner zu. Das Aufgeben von Anonymität (z.B. mit Rabattkarten) ist eine aktive Entscheidung. Im Internet ist es genau umgekehrt. Von jedem Nutzer werden Profile erstellt. Websitebetreiber sammeln Informationen (Surfverhalten, E-Mail- Adressen), um beispielsweise mit dem Verkauf der gesammelten Daten ihr Angebot zu finanzieren. Betreiber von Werbe-Servern nutzen die Möglichkeiten, das Surfverhalten websiteübergreifend zu erfassen. Verglichen mit dem Beispiel Zeitunglesen läuft es auf dem Datenhighway so, dass uns Zeitungen in großer Zahl kostenlos aufgedrängt werden.

Beim Lesen schaut uns ständig jemand über die Schulter, um unser Interessen- und Persönlichkeitsprofil für die Einblendung passender Werbung zu analysieren oder um es zu verkaufen (z.B. an zukünftige Arbeitgeber). Außerdem werden unsere Kontakte zu Freunden ausgewertet, unsere Kommunikation wird gescannt. Neben den Big Data Firmen werden auch staatliche Maßnahmen zur Überwachung derzeit stark ausgebaut und müssen von Providern unterstützt werden. Nicht immer sind die vorgesehenen Maßnahmen rechtlich unbedenklich.

Big Data – Kunde ist der, der bezahlt

Viele Nutzer dieser Dienste sehen sich in der Rolle von Kunden. Das ist falsch. Kunde ist der, der bezahlt. Kommerzielle Unternehmen (insbesondere börsennotierte Unternehmen) optimieren ihre Webangebote, um den zahlenden Kunden zu gefallen und den Gewinn zu maximieren. Die vielen Freibier-Nutzer sind bestenfalls glückliche Hamster im Laufrad, die die verkaufte Ware produzieren.

Google

Das Beispiel Google wurde aufgrund der Bekanntheit gewählt. Auch andere Firmen gehören zu den Big Data Companies und versuchen mit ähnlichen Geschäftsmodellen Gewinne zu erzielen. Im Gegensatz zu Facebook, Twitter… usw. verkauft Google die gesammelten Informationen über Nutzer nicht an Dritte sondern verwendet sie intern für Optimierung der Werbung. Nur an die NSA werden nach Informationen des Whistleblowers W. Binney zukünftig Daten weitergegeben.

Google hat einen jährlichen Umsatz von 37 Milliarden Dollar, der ca. 9,4 Milliarden Dollar Gewinn abwirft. 90% des Umsatzes erzielt Google mit personalisierter Werbung. Die Infrastruktur kostet ca. 2 Millarden Dollar jährlich.

Google Web Search

Googles Websuche ist in Deutschland die Nummer Eins. 89% der Suchanfragen gehen direkt an google.de. Mit den Suchdiensten wie Ixquick, Metager2, Web.de… die indirekt Anfragen an Google weiterleiten, beantwortet der Primus ca. 95% der deutschen Suchanfragen. (Stand 2008)

1. Laut Einschätzung der Electronic Frontier Foundation werden alle Suchanfragen protokolliert und die meisten durch Cookies, IP-Adressen und Informationen von Google Accounts einzelnen Nutzern zugeordnet.

In den Datenschutzbestimmungen von Google kann man nachlesen, dass diese Informationen (in anonymisierter Form) auch an Dritte weitergegeben werden. Eine Einwilligung der Nutzer in die Datenweitergabe liegt nach Ansicht der Verantwortlichen vor, da mit der Nutzung des Dienstes auch die AGBs akzeptiert wurden. Sie sind schließlich auf der Website öffentlich einsehbar.

2. Nicht nur die Daten der Nutzer werden analysiert. Jede Suchanfrage und die Reaktionen auf die angezeigten Ergebnisse werden protokolliert und ausgewertet.

Google Flu Trends zeigt, wie gut diese Analyse der Suchanfragen bereits arbeitet. Anhand der Such-Protokolle wird eine Ausbreitung der Grippe um 1-2 Wochen schneller erkannt, als es bisher dem U.S. Center for Disease Control and Prevention möglich war. Die mathematischen Grundlagen für diese Analysen wurden im Rahmen der Bewertung von Googles 20%-Projekten entwickelt. Bis 2008 konnten Entwickler bei Google 20% ihrer Arbeitszeit für eigene Ideen verwenden. Interessante Ansätze aus diesem Umfeld gingen als Beta-Version online (z.B. Orkut).

Die Reaktionen der Surfer auf diese Angebote wurde genau beobachtet. Projekte wurden wieder abgeschaltet, wenn sie die harten Erfolgskriterien nicht erfüllten (z.B. Google Video). Inzwischen hat Google die 20%-Klausel abgeschafft. Die Kreativität der eigenen Mitarbeiter ist nicht mehr notwendig und zu teuer. Diese Änderung der Firmenpolitik wird von einer Fluktuation des Personals begleitet. 30% des kreativen Stammpersonals von 2000 haben der Firma inzwischen den Rücken zugekehrt. Die entwickelten Bewertungsverfahren werden zur Beobachtung der Trends im Web eingesetzt. Der Primus unter den Suchmaschinen ist damit in der Lage, erfolgversprechende Ideen und Angebote schneller als alle Anderen zu erkennen und darauf zu reagieren.

Die Ideen werden nicht mehr selbst entwickelt, sondern aufgekauft und in das Imperium integriert. Seit 2004 wurden 60 Firmen übernommen, welche zuvor die Basis für die meisten aktuellen Angebote von Google entwickelt hatten: Youtube, Google Docs, Google Maps, Google Earth, Google Analytics, Picasa, SketchUp, die Blogger-Plattformen..

Das weitere Wachstum des Imperiums scheint langfristig gesichert. Zu spät hat die Konkurrenz erkannt, welches enorme Potential die Auswertung von Suchanfragen darstellt. Mit dem Börsengang 2004 musste Google seine Geheimniskrämerei etwas lockern und für die Bösenaufsicht Geschäftsdaten veröffentlichen. Microsoft hat daraufhin Milliarden Dollar in MSN Live Search, Bing versenkt und Amazon, ein weiterer Glo- bal Player im Web, der verniedlichend als Online Buchhändler bezeich- net wird, versuchte mit A9 ebenfalls eine Suchmaschine zu etablieren.

Adsense, DoubleClick, Analytics & Co.

Werbung ist die Haupteinnahmequelle von Google. Im dritten Quartal 2010 erwirtschaftete Google 7,3 Milliarden Dollar und damit 97% der Einnahmen aus Werbung. Zielgenaue Werbung basierend auf umfassenden Informationen über Surfer bringt wesentliche höhere Einkünfte, als einfache Bannerschaltung. Deshalb sammeln Werbetreibende im Netz, umfangreiche Daten über Surfer. Es wird beispielsweise verfolgt, welche Webseiten ein Surfer besucht und daraus ein Interessenprofil abgeleitet.

Die Browser werden mit geeigneten Mitteln markiert (Cookies u.ä.), um Nutzer leichter wieder zu erkennen. Inzwischen lehnen 84% der Internetnutzer dieses Behavioral Tracking ab. Von den Unternehmen im Internet wird es aber stetig ausgebaut. Google ist auf diesem Gebiet führend und wird dabei (unwissentlich?) von vielen Website Betreibern unterstützt. 97% der TOP100 Websites und ca. 80% der deutschsprachigen Webangebote sind mit verschiedenen Elementen von Google für die Einblendung kontextsensitiver Werbung und Traffic-Analyse infiziert! (Reppesgaard: Das Google Imperium, 2008) Jeder Aufruf einer derart präparierten Website wird bei Google registriert, ausgewertet und einem Surfer zugeordnet.

Neben kommerziellen Verkaufs-Websites, Informationsangeboten professioneller Journalisten und Online-Redaktionen gehören die Websites politischer Parteien genauso dazu, wie unabhängige Blogger auf den Platt- formen blogger.com und blogspot.com sowie private Websites, die sich über ein paar Groschen aus dem Adsense-Werbe-Programm freuen. Untragbar wird diese Datenspionage, wenn politische Parteien wie die CSU ihre Spender überwachen lassen. Die CSU bietet ausschließlich die Möglichkeit, via Paypal zu spenden.

Die Daten stehen damit inklusive Wohnanschrift und Kontonummer einem amerikanischen Großunternehmen zur Verfügung. Außerdem lässt die CSU ihre Spender mit Google-Analytics beobachten. Der Datenkrake erhält damit eindeutige Informationen über politischen Anschauungen. Diese Details können im Informationskrieg wichtig sein. Damit kennt das Imperium nicht nur den Inhalt der Websites, die vom Google-Bot für den Index der Suchmaschine abgeklappert wurden. Auch Traffic und Besucher der meisten Websites sind bekannt. Diese Daten werden Werbetreibenden anonymisiert zur Verfügung gestellt.

Wie kommt das Imperium zu diesen Daten? Es gibt so gut wie keine Möglichkeit, diese Daten irgendwo einzugeben. Google fragt NICHT nach diesen Daten, sie werden aus der Analyse des Surf- und Suchverhaltens gewonnen. Zusätzlich kauft Google bei Marktforschungsunternehmen große Mengen an Informationen, die in die Kalkulation einfließen. Wenn jemand mit dem iPhone auf der Website von BMW die Preise von Neuwagen studiert, kann Google ihn einer Einkommensgruppe zuordnen.

Wird der Surfer später beim Besuch von Spiegel-Online durch Einblendung von Werbung wiedererkannt, kommt ein entsprechender Vermerk in die Datenbank. Außerdem kann die Werbung passend zu seinen Interessen und Finanzen präsentiert werden. (Die Realität ist natürlich etwas komplexer.) Mit dem im April 2010 eingeführtem Retargeting geht Google noch weiter. Mit Hilfe spezieller Cookies werden detaillierte Informationen über Surfer gesammelt. Die Informationen sollen sehr genau sein, bis hin zu Bekleidungsgrößen, für die man sich in einem Webshop interessiert hat.

Die gesammelten Informationen sollen die Basis für punktgenaue Werbung bieten. Beispielsweise soll nach dem Besuch eines Webshops für Bekleidung ohne Kaufabschluss permanent alternative Werbung zu diesem Thema eingeblendet werden.

Google Mail, Talk, News… und Google+ (personalisierte Dienste)

Mit einem einheitlichem Google-Konto können verschiedene personalisierte Angebote genutzt werden. (Google Mail, News, Talk, Calendar, Alert, Orkut, Börsennachrichten….. iGoogle) Bei der Anmeldung ist das Imperium weniger wissbegierig, als vergleichbare kommerzielle Anbieter. Vor- und Nachname, Login-Name und Passwort reichen aus. Es ist nicht unbedingt nötig, seinen realen Namen anzugeben. Ein Pseudonym wird auch akzeptiert. Die Accounts ermöglichen es, aus dem Surf- und Suchverhalten, den zusammengestellten Nachrichtenquellen, dem Inhalt der E-Mails usw. ein Profil zu erstellen. Die unsicher Zuordnung über Cookies, IP-Adressen und andere Merkmale ist nicht nötig. Außerdem dienen die Dienste als Flächen für personalisierte und gut bezahlte Werbung.

Patente aus dem Umfeld von Google Mail zeigen, dass dabei nicht nur Profile über die Inhaber der Accounts erstellt werden, sondern auch die Kommunikationspartner unter die Lupe genommen werden. Wer an einen Google Mail Account eine E-Mail sendet, landet in der Falle des Datenkraken. Die Einrichtung eines Google-Accounts ermöglicht es aber auch, gezielt die gesammelten Daten in gewissem Umfang zu beeinflussen. Man kann Einträge aus der Such- und Surf-Historie löschen u.ä. (Besser ist es sicher, die Einträge von vornherein zu vermeiden.)

Smartphones und Android

2005 hat Google die Firma Android Inc. für 50 Mio. Dollar gekauft sucht mit dem Smartphone Betriebssystem Android auf dem Markt der mobilen Kommunikation ähnliche Erfolge wie im Web. Das erste Google Handy G1 war ein in Hardware gegossenes Pendant zum Webbrowser Google Chrome. Bei der Markteinführung versuchte Google die Nutzer mit dem ersten Einschalten zu überreden, einen Google-Account anzulegen. Ohne Account bei Google ging fast nichts mit dem Hightech- Spielzeug, nur Telefonieren war möglich.

Dieses Feature wurde auf Druck der Nutzer deaktiviert. Bei der Nutzung von Android Smartphones sollen alle E-Mails über Google Mail laufen, Termine mit dem Google Calendar abgeglichen werden, die Kontaktdaten sollen bei Google landen. Die Standortdaten werden ständig an Google übertragen, um sogenannte Mehrwertdienste bereit zu stellen (genau wie das iPhone die Standortdaten an Apple sendet). Inzwischen ist die feste Bindung an Google-Dienste unter Android etwas gelockert. Aber nach wie vor sind diese als Standard voreingestellt und werden aus Bequemlichkeit sicher von der Mehrzahl der Nutzer verwendet.

Mozilla Firefox

Google ist der Hauptsponsor der Firefox Entwickler. Seit 2012 zahlt Google jährlich 300 Mio. Dollar an die Mozilla Foundation, um die voreingestellte Standardsuchmaschine in diesem Browser zu sein.

Das ist natürlich in erster Linie ein Angriff auf Microsoft. Die Entwickler von Firefox kommen ihrem datensammelnden Hauptsponsor jedoch in vielen Punkten deutlich entgegen:

• Google ist die einzige allgemeine Suchmaschine, die unbedarften Nutzern zur Verfügung steht. Alternativen sind standardmäßig nicht vorhanden und müssen von den Nutzer aktiv gesucht und installiert wer- den.

• Die Default-Startseite ermöglicht es Google, ein langlebiges Cookie zu setzen und den Browser damit praktisch zu personalisieren.

• Sollte die Startseite modifiziert werden (z.B. bei der Variante Iceweasel von Debian GNU/Linux), erfolgt die “Personalisierung” des Browsers wenige Minuten später durch Aktualisierung der Phishing-Datenbank.

• Diese “Personalisierung” ermöglicht es Google, den Nutzer auf allen Webseiten zu erkennen, die mit Werbeanzeigen aus dem Imperium oder Google-Analytics verschmutzt sind. Im deutschsprachigen Web hat sich diese Verschmutzung auf 4/5 der relevanten Webseiten ausgebreitet. (Trotzdem ist Mozilla Firefox ein guter Browser. Mit wenigen Anpassungen und Erweiterungen von unabhängigen Entwicklern kann man ihm die Macken austreiben und spurenarm durchs Web surfen.)

Google DNS

Mit dem DNS-Service versucht Google, die Digital Natives zu erreichen, Surfer die in der Lage sind, Cookies zu blockieren, Werbung auszublenden und die natürlich einen DNS-Server konfigurieren können. Google verspricht, dass die DNS-Server unter den IP-Adressen 8.8.8.8 und 8.8.4.4 nicht kompromittiert oder zensiert werden und bemüht sich erfolgreiche um schnelle DNS-Antworten. Die Google-Server sind etwa 1/10 sec bis 1/100 sec schneller als andere unzensierte DNS-Server. Natürlich werden alle Anfragen gespeichert und ausgewertet.

Ziel ist, die von erfahrenen Nutzern besuchten Websites zu erfassen und in das Monitoring des Web besser einzubeziehen. Positiv an dieser Initiative von ist, dass es sich kaum jemand leisten kann, die Wirtschaftsmacht Google zu blockieren. Damit wird auch die Sperrung alternativer DNS-Server, wie es in Deutschland im Rahmen der Einführung der Zensur geplant war, etwas erschwert.

Kooperation mit Behörden und Geheimdiensten

Es wäre verwunderlich, wenn die gesammelten Datenbestände nicht das Interesse der Behörden und Geheimdienste wecken würden. Google kooperiert auf zwei Ebenen:

1. Auf Anfrage stellt Google den Behörden der Länder die angeforderten Daten zur Verfügung. Dabei agiert Google auf Grundlage der nationalen Gesetze. Bei datenspeicherung.de findet man Zahlen zur Kooperationswilligkeit des Imperiums. Durchschnittlich beantwortet Google Anfragen mit folgender Häufigkeit:

• 3mal täglich von deutschen Stellen
• 20mal täglich von US-amerikanischen Stellen
• 6mal täglich von britischen Stellen

2. Außerdem kooperiert Google mit der CIA bei der Auswertung der Datenbestände im Rahmen des Projektes Future of Web Monitoring, um Trends und Gruppen zu erkennen und für die Geheimdienste der USA zu erschließen. Es besteht der Verdacht, dass Google auch mit der NSA kooperiert. Das EPIC bemüht sich, Licht in diese Kooperation zu bringen. Anfragen wurden bisher nicht beantwortet. Nach Inforamtionen des Whistleblowsers W. Binney, der 30 Jahre in führenden Positionen der NSA gearbeitet hat, wird Google ab Herbst 2012 Kopien des gesamten E-Mail Verkehrs von GMail und sämtliche Suchanfragen dem neuen Datacenter der NSA in Bluffdale zur Verfügung stellen: „It will store all Google search queries, e-mail and fax traffic and so on.“

Die (virtuelle) Welt ist eine “Google” – oder? Die vernetzten Rechenzentren von Google bilden den mit Abstand größten Supercomputer der Welt. Dieser Superrechner taucht in keiner TOP500-Liste auf, es gibt kaum Daten, da das Imperium sich bemüht, diese Informationen geheim zu halten. Die Datenzentren werden von (selbständigen?) Gesellschaften wie Exaflop LLC betrieben.

Neugierige Journalisten, Blogger und Technologieanalysten tragen laufend neues Material über diese Maschine zusammen. In den Materialsammlungen findet man 12 bedeutende Anlagen in den USA und 5 in Europa, die als wesentliche Knotenpunkte des Datenuniversums eingeschätzt werden. Weitere kleinere Rechenzentren stehen in Dublin, Paris, Mailand, Berlin, München Frankfurt und Zürich. In Council Bluffs (USA), Thailand, Malaisia und Litauen werden neue Rechenzentren gebaut, die dem Imperium zuzurechnen sind. Das größte aktuelle Bauprojekt vermuten Journalisten in Indien. (2008)

Experten schätzen, dass ca. 1 Mio. PCs in den Rechenzentren für Google laufen (Stand 2007). Alle drei Monate kommen etwa 100 000 weitere PCs hinzu. Es werden billige Standard-Komponenten verwendet, die zu Clustern zusammengefasst und global mit dem Google File System (GFS) vernetzt werden. Das GFS gewährleistet dreifache Redundanz bei der Datenspeicherung. Die Kosten für diese Infrastruktur belaufen sich auf mehr als zwei Milliarden Dollar jährlich. Die Videos von Youtube sollen für 10% des gesamten Traffics im Internet verantwortlich sein. Über den Anteil aller Dienste des Imperiums am Internet- Traffic kann man nur spekulieren.

Google dominiert unser (virtuelles) Leben

Die Datensammler (Facebook, Amazon, Twitter…) verkaufen Informationen über Nutzer an Datenhändler (z.B. Acxiom, KaiBlue, RapLeaf…), welche die Daten anreichern, zusammenfassen und umfassende Profile den eigentlichen Endnutzern wie Kreditkartenfirmen, Personalabteilungen großer Unternehmen und Marketingabteilungen von Microsoft bis Blockbuster verkaufen. Acxiom konnte bereits 2001, noch bevor Facebook als Datenquelle zur Verfügung stand, auf umfangreiche Datenbestände verweisen.

Als das FBI die Namen der angeblichen 9/11 Attentäter veröffentlichte (von denen noch heute einige quicklebendig sind), lieferte Acxiom mehr Daten zu diesen Personen, als alle Geheimdienste zusammen – inklusive früherer und aktueller Adressen, Namen der Mitbewohner usw. Im Rahmen der Zusammenarbeit mit FBI und CIA führten die Daten von Acxiom mehrfach zu Anklagen und Abschiebungen (nach Aussage eines leitenden Mitarbeiters).

Acxiom protzt damit, präzise Daten über 96% der amerikanischen Bevölkerung zu haben. Jeder Datensatz hat 1.500 Datenpunkte (Stand 2010). Neben Daten zur Internetnutzung verarbeitet Acxiom auch Kreditkartenrechnungen, Apothekenrechnungen. „Sie können sich Acxiom wie eine automatisierte Fabrik vorstellen, wobei das Produkt, das wir herstellen, Daten sind.“ (Aussage eines Technikers von Acxiom).

RapLeaf wurde von P. Thiel gegründet, der auch die Gründung von PayPal.com finanzierte, bei Facebook maßgeblichen Einfluss hat und dessen Credo eine totale Personalisierung des Internet ist. RapLeaf sammelt selbst Daten über die Internetnutzung, verarbeitet aber auch hinzugekaufte Daten.

Die Informationen werden anhand von E- Mail Adressen zusammengefasst. Jeder kann auf der Website eine Liste von E-Mail Adressen hochladen, bezahlen und nach Zahlungseingang die Daten abrufen. Ein kleiner Auszug aus der Preisliste (Stand 2011) soll den Wert persönlicher Informationen zeigen:

• Alter, Geschlecht und Ort: 0 Cent (Lockangebot)
• Haushaltseinkommen: 1 Cent pro E-Mail-Adresse
• Ehestand: 1 Cent pro E-Mail-Adresse
• vorhandene Kinder: 1 Cent pro E-Mail-Adresse
• Wert des bewohnten Hauses: 1 Cent pro E-Mail-Adresse
• Relation von Krediten zum Vermögen: 1 Cent pro E-Mail-Adresse
• vorhandene Kreditkarten: 1 Cent pro E-Mail-Adresse
• Fahrzeuge im Haushalt: 1 Cent pro E-Mail-Adresse
• Smartphone Nutzung: 3 Cent pro E-Mail-Adresse
• Beruf und Ausbildung: 2 Cent pro E-Mail-Adresse
• Tätigkeit als Blogger: 3 Cent pro E-Mail-Adresse
• wohltätige Spenden: 3 Cent pro E-Mail-Adresse
• Präferenzen für hochwertige Marken: 3 Cent pro E-Mail-Adresse
• Präferenzen für Bücher, Zeitschriften: 3 Cent pro E-Mail-Adresse

Damian Paderta
Damian Paderta
Webgeograph & Digitalberater