MapMyDay – Aktionstag für eine Karte zum Suchen und Finden rollstuhlgerechter Orte

MapMyDay - Aktionstag für eine Karte zum Suchen und Finden rollstuhlgerechter Orte

Für Menschen mit Rollstuhl, Gehhilfe oder Kinderwagen sind Treppenstufen das häufigste Hindernis, das die Bewegungsfreiheit im täglichen Leben einschränkt. Pünktlich zum Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung hat deshalb der Berliner Verein Sozialhelden e.V. zusammen mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Kampagne MapMyDay ins Leben gerufen. Weltweit ruft die Kampagne dazu auf, die Online-Karte für rollstuhlgerechte Orte namens Wheelmap.org zu unterstützen. Ziel ist es, Daten zu erheben sowie Menschen für Barrierefreiheit zu sensibilisieren.  „Hat mein Lieblingscafé eigentlich eine Stufe am Eingang? – „Würde ich mit einem Rollstuhl problemlos in meinen Supermarkt um die Ecke kommen?“ – „Welche U-Bahn-Stationen haben eigentlich einen Aufzug?“. Das sind alltägliche Fragen, die bisher keine der verfügbaren Kartendienste beantworten kann. Außer Wheelmap – aber eben nicht immer. Es fehlen noch viele Daten.

Wheelmap.org

Wheelmap ist eine Onlinekarte zum Finden, Suchen und Markieren von barrierefreien Wegen und Orten. Sie ist nicht-kommerziell und speziell für die Bedürfnisse von Menschen mit Rollstuhl, Gehhilfe, Gipsbein oder Kinderwagen ausgerichtet. Nach dem Crowdsourcing-Prinzip wurden bereits fast 600.000 öffentliche Orte auf Wheelmap.org von NutzerInnen bewertet. Die Wheelmap ist als App für iPhone und Android verfügbar. Die Browserversion ist auf 22 Sprachen übersetzt. Basis der Karte bilden die Daten von Openstreetmap.

wheelmap

Die Legende der Wheelmap ist denkbar einfach:

  • Grün = Der Ort mit all seinen Räumen ist rollstuhlgerecht.
  • Gelb = Der Ort ist prinzipiell zugänglich, aber nicht alle Räume.
  • Rot = Der Ort ist für einen Rollstuhlfahrer nicht zugänglich.

Wege und Karten nur für mobile Erwachsene?

Die Infrastruktur in de Städten wird und wurde primär für gesunde Erwachsene ohne Kinderwagen oder Gehilfen gebaut. Ähnlich verhält es sich mit Karten: auch sie zeigen primär die Verkehrsmöglichkeit an, die sich an dieser Zielgruppe orientiert. Ein Treppe ist für die meisten Menschen eine Möglichkeit der einfachen Überwindung eines Höhenunterschiedes. Für Andere ist genau sie ein nicht zu bewältigendes Hindernis. Der Erfinder von Wheelmap.org, Raul Aguayo-Krauthausen, möchte mit Wheelmap eben diese Barrieren aufzeigen und bestenfalls beseitigen. Fälschlicherweise wird die Wheelmap als Karte für behinderte Menschen bezeichnet, was mit der einseitigen Vorstellung von Rollstuhlfahrern einhergeht. Auch wenn in Deutschland 1,6 Millionen Rollstuhlfahrer keine Minderheit darstellen, gehören zu der Gruppe behinderter Menschen auch diejenigen an, die zeitweise „behindert“ sind. So z.B. Väter und Mütter mit Kinderwagen oder ältere Menschen. Die Kampagne richtet sich deshalb nicht nur explizit an Menschen mit Behinderungen. Viele alltägliche Barrieren betreffen Menschen, denen man im ersten Moment keine Behinderung attestieren würde. Angesichts des demografischen Wandels in Deutschland wird die Bedeutung dieses Dienstes weiter zunehmen. 4,8 Millionen Menschen in Deutschland nutzen einen Rollator. Tendenz steigend.

Kein Interesse?

Ich habe acht (!) Anschreiben an offizielle Behindertenbeauftragte mit dem Angebot einer ehrenamtlichen Unterstützung versendet und bisher keine einzige Antwort erhalten. Über die möglichen Gründe kann ich nur spekulieren. Wo der Staat überfordert ist und der Markt versagt, sind Crowdsourcing-Projekte unverzichtbar und unterstützenswert. Dazu sind keine Institutionen nötig. Ein Smartphone mit der passenden App ist dagegen wesentlich hilfreicher.

-> MapMyDay

Damian Paderta
Damian Paderta
Webgeograph & Digitalberater