cc-by: Armel Le Coge & Cyril Lage
Open Data steht auf der politischen Agenda in Deutschland. Nach den Erfolgen der Open Data Initiativen in den USA und Großbritannien beginnen nun auch deutsche Verwaltungen und Politik sich mit dem Thema „offene Daten“ zu befassen. Die von Barack Obama initiierte Open Government Policy gilt als Wegbereiter für Reformen im öffentlichen Sektor. Sie hat zum Ziel Politik und Verwaltung für Bürger, Zivilgesellschaft und Wirtschaft zu öffnen und diese an staatlichen Entscheidungsprozessen zu beteiligen. Eine Säule der Open Government Policy bildet der Zugang zu Daten des öffentlichen Sektors. Open Data beschreibt den Vorgang digitale Informationen des öffentlichen Sektors uneingeschränkt zur freien Nutzung und Verbreitung zugänglich zu machen. Daten werden in einem offenen Format mit offener Lizenz zur Verfügung gestellt. Von diesem Prozess ausgenommen sind sicherheitsrelevante Daten, Geschäftsgeheimnisse sowie Daten mit Personenbezug.
Die öffentlichen Verwaltungen des Bundes, der Länder und Kommunen produzieren einen großen Teil an nicht-personenbezogenen Daten in Deutschland. Der potenzielle Wert der erhobenen Daten wird von den öffentlichen Verwaltungen, häufig aufgrund mangelnder Ressourcen, nicht ausgeschöpft. In den Augen der Open Data Befürworter bleibt ein Datenschatz vergraben und damit Chancen für mehr Transparenz, Partizipation und Kollaboration in unserer Gesellschaft.
Chancen von Open Data: Transparenz – Partizipation – Kollaboration
Die Open Data Initiative steht für mehr „Transparenz“, „Partizipation“ und „Kollaboration“ auf Bundes-, Länder- und Kommunaler-Ebene.: Durch die Bereitstellung der Datenbestände öffentlicher Verwaltungen wird mehr Transparenz geschaffen, was aus Sicht der Wirtschaft, Forschung und Zivilgesellschaft in Deutschland längst überfällig ist. Die Datensilos von Verwaltung und Politik stellen wichtige Quellen politischer Meinungsbildung und Partizipationsmöglichkeiten dar. Offene Daten versprechen mehr Transparenz im Handeln von Verwaltung und Politik, was das Vertrauen der Menschen in den Staat und seinen Verwaltungen stärkt und Chancen für eine differenzierte, demokratische Willensbildung bietet .
Die Bereitstellung und Nutzung Offener Daten mit Lokalbezug kann zu einer Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements in öffentlichen Fragen beitragen. Öffentliche Entscheidungsprozesse werden durch die Veröffentlichung von behördlichen Arbeitsdaten für Außenstehende nachvollziehbar gemacht. Dadurch wird es den BürgerInnen erleichtert einen Diskurs auf Augenhöhe mit Politik und Verwaltung zu führen und ermöglicht auf diesem Weg echte Teilhabe.
Rohdaten sind für die breite Masse oftmals ungeeignet. Die Bedeutung liegt vielmehr in der Aufarbeitung der der Rohdaten durch Dritte (z.B. klassische Medien, Blogger etc.), die durch Offene Daten ermöglicht wird. Eine gesellschaftlich breite Nutzung der vorhandenen Daten ist für die Verwaltungen nicht nur aus finanzhaushälterischer Sicht vorteilhaft. Die Weiterverwendung und –verbreitung legitimiert und verankert die umfangreiche und aus Steuergeldern finanzierte Erhebung nicht-personenbezogener Daten in Deutschland. . Im Web entstehen zahlreiche Non-Profit Projekte und viele Menschen sind bereit unentgeltlich Know-how zur Verfügung zu stellen und gemeinnützige Online-Projekte auf die Beine zu stellen.
Offene Daten können Menschen mit dem entsprechenden Wissen befähigen Dienste, die liegen nicht im Zuständigkeitsbereich des Staates liegen oder von diesem finanziell nicht geleistet werden können, zur Verfügung zu stellen. (z.B. „Wheelmap.org “ oder „Und was atmest Du so? “).
Offene Daten können Menschen mit dem entsprechenden Wissen befähigen Dienste, die liegen nicht im Zuständigkeitsbereich des Staates liegen oder von diesem finanziell nicht geleistet werden können, zur Verfügung zu stellen. (z.B. „Wheelmap.org “ oder „Und was atmest Du so? “).
Innovation – Effizienz
Das Internet bietet viel Spielraum für Synergieeffekte in der Zusammenarbeit von öffentlichen Verwaltungen und Dritten. Bereits vorhandene Daten können zu entsprechenden Themen beliebig zusammengestellt werden, was einen Mehrwert für alle Beteiligten darstellt. Kreative Köpfe können die komplexen Daten der öffentlichen Verwaltung in visuell ansprechende und verständliche Informationsträger verwandeln, wodurch es Verwaltungen ermöglicht wird zu bestimmten Themen schnell und effizient Auskunft zu erteilen – sowohl verwaltungsintern, gegenüber der Politik, als auch gegenüber den BürgerInnen und der Wirtschaft. Aufwand und Redundanz bei Anfragen können dadurch reduziert werden, was viel Zeit und Geld spart. Finanzschwache Start-Up-Unternehmen können Anwendungen auf Grundlage von hochwertigen Datenerstellen ohne hohe Beträge in Lizenzen investieren zu müssen.
Herausforderungen an Politik und Verwaltung: Rechtliche Voraussetzungen für Offenheit
Von zentraler Bedeutung bei der Öffnung von Datenbeständen aus dem öffentlichen Sektor sind einheitliche, klare und einfache Nutzungsbedingungen. Rechtliche Unsicherheiten bzgl. der Weiterverwendung und Weiterverbreitung von Daten hindern den Öffnungsprozess (Abb.1). Creative Commons (CC) ist eine Organisation, welche hier vorbeugen möchte, indem sie vorgefertigte Lizenzverträge anbietet. Open Data heißt, dass die in Frage kommenden Datenbestände ohne Nutzungsbeschränkungen allgemein und frei zur Verfügung gestellt und entsprechend mit einer offenen Lizenz versehen werden. Ziel einer offenen Lizenz ist es, Restriktionen gegenüber einer Weiternutzung gering zu halten bzw. ganz aufzuheben.
Die CC-Lizenzen sind modulartig aufgebaut und bestehen aus kurzen und einfachen Lizenzverträgen, die der Rechtsinhaber durch das entsprechende Symbol im Werk kenntlich macht. Lizenzen sollten einfach und knapp gehalten werden. Eine Bereitstellung der Daten unter Creative Commons Lizenzen bieten sich hier aus Gründen der Einfachheit und der internationalen Verbreitung an. Die CC-Lizenzen sind jedoch für Werke entwickelt worden, nicht für Datensammlungen. Hier bleibt auf die Veröffentlichung der CC 4.0 Lizenzen zu hoffen, die rechtlich Datenbanken abdecken. Alternativ ist die Verwendung der weniger verbreiteten Open Data Commons Attributions-Lizenz (ODC-By) möglich.
Eine gebührenfreie Weiterverwendung der Daten zu kommerziellen Zwecken ist nicht nur wünschenswert, sondern zwingend, will man Open Data auch als Impuls für wirtschaftliche Aktivitäten verstehen (Abb. 1). Das wichtigste Argument der Open Data-Befürworter ist in diesem Zusammenhang, dass im Auftrag des Staates erhobene Daten aus Steuergeldern finanziert werden und damit dem Steuerzahler gehören. Daten, die von staatlichen Stellen ohnehin gesetzlich erhoben werden, sollen der Allgemeinheit zur Verfügung stehen. Eine gebührenpflichtige Nutzung, und sei die Gebühr noch so gering, hindert kapitalschwache Innovatoren und vergrößert den Kreis derer, die von der Nutzung ausgeschlossen werden.

Abb. 1 OpenData-Genese
Die CC-Lizenzen sind modulartig aufgebaut und bestehen aus kurzen und einfachen Lizenzverträgen, die der Rechtsinhaber durch das entsprechende Symbol im Werk kenntlich macht. Lizenzen sollten einfach und knapp gehalten werden. Eine Bereitstellung der Daten unter Creative Commons Lizenzen bieten sich hier aus Gründen der Einfachheit und der internationalen Verbreitung an. Die CC-Lizenzen sind jedoch für Werke entwickelt worden, nicht für Datensammlungen. Hier bleibt auf die Veröffentlichung der CC 4.0 Lizenzen zu hoffen, die rechtlich Datenbanken abdecken. Alternativ ist die Verwendung der weniger verbreiteten Open Data Commons Attributions-Lizenz (ODC-By) möglich.

Abb. 1 OpenData-Genese
Knackpunkt: Finanzierung
Entscheidend im derzeitigen Open Data-Diskurs ist die Frage nach der Finanzierungsregelung für datenhaltende Stellen, die ihre Daten an die Wirtschaft verkauft haben. Open Data kann das einstige Geschäftsmodell von einigen öffentlichen Stellen erodieren, die ihre Daten an die Wirtschaft veräußern. Zukünftig besteht die Möglichkeit Einnahmen über „Freemium- und „Affiliate-Modelle zu generieren. Bürokratieabbau und Effizienzsteigerung in den Prozessen, sowie die Kollaboration mit den Communities und der Wirtschaft können Einsparungen für die Staatskasse bedeuten. Hier ist eine Umlage der finanziellen Mittel erforderlich.
Die Herausgabe auf rechtlich eindeutiger Basis ist wichtiger als die Bereitstellung der Datenbestände in der günstigsten Repräsentationsform. Dritte können für die technische Aufbereitung von technisch suboptimal aufbereiteten Daten des öffentlichen Sektors sorgen, wenn diese unter einer freien Lizenz veröffentlicht werden.
Die Herausgabe auf rechtlich eindeutiger Basis ist wichtiger als die Bereitstellung der Datenbestände in der günstigsten Repräsentationsform. Dritte können für die technische Aufbereitung von technisch suboptimal aufbereiteten Daten des öffentlichen Sektors sorgen, wenn diese unter einer freien Lizenz veröffentlicht werden.




