Warum Privatsphäre und Anonymität so wichtig sind

„Ein Mann ist am wenigsten er selbst, wenn er für sich selbst spricht. Gib ihm eine Maske und er wird die Wahrheit sagen.“ Oscar Wilde

John Perry Barlow, Mitbegründer der Electronic Frontier Foundation (EFF) schrieb 1996 eine „Erklärung über die Unabhängigkeit des virtuellen Raums“. Hieraus stammt die folgende Passage:
„Der virtuelle Raum besteht aus Transaktionen, Beziehungen und eigenen Gedanken, die wie eine stehende Welle im Netz unserer Kommunikation angeordnet sind. Er ist überall und nirgendwo, aber es ist kein Ort, wo Körper leben. Wir kreieren eine  Welt zu der jede/r Zugang hat – ohne Berücksichtigung von Privilegien oder Vorurteilen in Bezug auf Rasse, wirtschaftliche oder militärische Macht und Geburtsland. Wir kreieren eine Welt, in der jede/r seine/ihre Meinung an jedem Ort und ohne Angst vor Repression und Konformitätsdruck, zum Ausdruck bringen kann, egal wie subjektiv diese Meinung ist. 16 Jahre später hat das Internet uns verändert und wie wir leben. Es ermöglicht uns das vereinte Wissen der Menschheit im Handumdrehen abzurufen. Wir können neue Freundschaften schließen und unsere Gedanken mit Freunden weltweit teilen. Wir können uns organisieren, miteinander kommunizieren und zusammenarbeiten, wie wir es nie für möglich gehalten hätten. Das ist die Welt, die wir an unsere Kinder weitergeben möchten: eine Welt mit einem freien Internet.“

Nichtsdestotrotz hat die Vision von John Perry Barlow auch ihre Schwachstellen. Ohne Anonymität im Internet, kann ein Zugang frei von Privilegien und Vorurteilen nicht garantiert werden. Ohne Privatsphäre ist freie Meinungsäußerung nicht möglich. Die Herausforderungen, denen wir im 21. Jahrhundert gegenüberstehen, verlangen eine Zusammenarbeit der gesamten Menschheit. Sie muss ernst genommen werden: Klimawandel, Energiekrise, staatliche Zensur, Überwachung und anhaltende Kriege. Wir müssen frei von Angst kommunizieren und uns mit Partnern zusammenschließen können. Wir sollten kostenlose Betriebssysteme und Software unterstützen und das Wissen der Menschen über die Technologien, von denen wir alle abhängig sind, erweitern.

Um unser Recht auf Privatsphäre und Anonymität im Internet zu schützen, benötigen wir peer-reviewed und crowdsourced Lösungen. Wir sind alle Nutzer, wir kämpfen für die Nutzer und wir streben danach den Nutzer zu stärken. Wir behaupten, dass die Nachfrage der Nutzer der Grund ist, warum Computer überhaupt existieren. Wir vertrauen der kollektiven Intelligenz der Menschen, nicht den Unternehmen oder Regierungen. Wir entsagen uns den Fesseln eines digitalen Gulags, der von politischen und wirtschaftlichen Interessen geleitet ist.

Ein Manifest

 

  • Das Recht auf Anonymität, Verwendung von Decknamen und Privatsphäre ist ein Grundrecht. Grundrechte sichern unser Recht auf Leben in Freiheit, Würde und Sicherheit. Sie sichern unser Recht auf eine Familie, sowie das Recht frei von Angst und Einschüchterung zu leben. Keine Regierung, Organisation oder Individuum darf Menschen den Zugang zu Technologien verbieten, die diese Grundrechte unterstützen.
  • Privatsphäre ist ein absolutes Recht des Menschen. Transparenz ist eine Bedingung für Regierungen und Kooperationen, die im Namen von Menschen handeln.
  • Das Individuum allein besitzt das Recht zu seiner Identität. Nur der Mensch selbst entscheidet, was er/sie teilen möchte. Der Versuch persönliche Informationen zu erhalten ohne einvernehmlichen Konsens mit der betroffenen Person bedeutet der Bruch seiner/ihrer Grundrechte.
  • Alle Menschen sind berechtigt, Geheimcodes zu verwenden, sowie ihre Grundrechte mit Hilfe einer entsprechenden Verschlüsselungstechniken zu vertreten. Dies ist unabhängig von Rasse, Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politische oder andere Meinungen, nationale oder soziale Herkunft, Besitz, Geburtsort, politischer, juristischer oder internationaler Status des Landes.
  • So wie Regierungen nur dazu da sind, um den Bürgern_innen zu dienen, so sollte auch die Kryptographie den Menschen gehören. Diese Technologien dürfen nicht einer auserlesenen Gruppe von Menschen vorbehalten sein.
  • Überwachung kann nicht getrennt von Zensur betrachtet werden. Keine Maschine darf im Dienste von Überwachung und Zensur stehen. Kryptographie ist ein Schlüssel zu unserer kollektiven Freiheit.
  • Kodierung ist Sprache: Kodierung ist eine Sprache, die vom Menschen kreiert wurde. Kryptographie zu verbannen, zensieren oder vor den Menschen wegzuschließen bedeutet Menschen in einem ihrer Grundrechte zu beschneiden, nämlich in ihrem Recht auf Redefreiheit.
  • Jene, die die Verbreitung von Kryptographie stoppen wollen, sind vergleichbar mit dem Klerus des 15. Jahrhunderts, der versuchte die gedruckte Presse zu verhindern, um sein Wissensmonopol zu schützen.