Stell dir vor, an der Straße vor deiner Haustür stehen eines Morgens rot-weiße Absperrbänder und Du kommst nicht mehr durch. Das passierte mir neulich vor der Haustür an der Kölnstraße – Ecke Kaiser-Karl-Ring. Sofort stellen sich Fragen: Wer hat das beschlossen? Wann war das, und hätte ich davon wissen können? Kann ich jetzt noch etwas dazu sagen?
Die Antworten gibt es meistens schon. Sie stehen im Ratsinformationssystem der Stadt Bonn, verteilt auf rund 25.000 Dokumente aus den vergangenen sieben Jahren. Wer sie finden will, muss allerdings wissen, wonach er sucht, in welchem Gremium ein Thema beraten wurde und unter welchem Titel die Verwaltung es führt. Mit der RIS-Karte Bonn möchte ich diesen Weg kürzer machen. Die Karte ordnet die Dokumente danach, wo etwas geplant ist, wann und in welchem Stand es beraten wird und wer daran beteiligt ist.
Dieser Beitrag hat zwei Teile. Der erste erklärt, was die Karte zeigt und wie man mit ihr arbeitet; er richtet sich an alle, die in Bonn leben. Danach erzähle ich, warum es sinnvoll ist, ein solches Werkzeug aus der Zivilgesellschaft heraus zu bauen. Der zweite Teil beschreibt die Technik und richtet sich an alle, die selbst mit Ratsdaten arbeiten.
Teil 1: Was die Karte zeigt
Was im Ratsinformationssystem steht
In Bonn beraten und entscheiden der Rat der Stadt, seine Fachausschüsse und die vier Bezirksvertretungen über das, was in der Stadt geschieht. Grundlage jeder Beratung ist eine Vorlage. Das ist das Dokument, mit dem ein Thema auf die Tagesordnung kommt: ein Antrag einer Fraktion, eine Beschlussvorlage der Verwaltung, eine Anfrage, ein Bürgerantrag oder eine Stellungnahme der Verwaltung zu einem dieser Dokumente. Jede Vorlage hat eine Drucksachennummer, mit der sie sich eindeutig benennen lässt.
Die Stadt Bonn führt diese Vorlagen im Ratsinformationssystem ALLRIS und veröffentlicht sie zusätzlich über OParl. OParl ist eine standardisierte Schnittstelle, über die Programme Ratsinformationen abrufen können, ohne sich durch Webseiten klicken zu müssen. Die Daten stehen unter der Lizenz CC0 und dürfen damit frei weiterverwendet werden. Darin liegen rund 25.000 Vorlagen seit Oktober 2019.
Offen heißt aber noch nicht lesbar. Die Vorlagen sind nach der Logik der Verwaltung geordnet: nach Gremien, Sitzungen und Nummern. Wer in einem Stadtteil lebt, fragt anders. Wo ist etwas geplant? Wann wird darüber beraten, und wie weit ist das Verfahren? Wer ist beteiligt, und wer entscheidet am Ende? Auf diese drei Fragen, wo, wann und wer, ist die RIS-Karte ausgerichtet. Dabei folgt sie einem Grundsatz, der sich durch die ganze Anwendung zieht: Jede Angabe lässt sich auf ihre Quelle zurückführen. Vieles steht genau so in den Daten der Stadt. Manches aber ist erschlossen, etwa ein Ort, der sich aus dem Titel einer Vorlage ergibt. Solche Angaben tragen sichtbar den Hinweis „abgeleitet“. Wer die Karte nutzt, soll jederzeit unterscheiden können, was die Stadt veröffentlicht hat und was die Karte daraus folgert.
Wo? Vorlagen bekommen einen Ort
Die Seite zeigt 24.915 Vorlagen auf einer Karte von Bonn. Daneben steht eine Liste mit denselben Vorlagen. Sie ist kein Anhängsel der Karte, sondern ein gleichwertiger Zugang, auch für Menschen, die eine Karte nicht gut sehen oder bedienen können. Beide lassen sich gemeinsam filtern: nach einem der 51 Ortsteile oder einem der vier Stadtbezirke, nach Zeitraum, nach der Art der Vorlage, nach dem zuständigen Amt, nach dem beratenden Gremium, nach dem Stand des Verfahrens, nach Thema und nach Partei. Wer möchte, färbt die Karte nach Themen ein und sieht so, welche Themen sich wo häufen.
Die eigentliche Arbeit steckt darin, die Vorlagen überhaupt zu verorten. Die Stadt selbst nennt nur bei gut 7 % der Vorlagen einen Ort, vorwiegend bei Bürgeranträgen und Beschwerden. Für alle anderen liest die Datenverarbeitung den Titel der Vorlage und sucht darin nach Hinweisen auf einen Ort. Nennt der Titel eine Straße, einen Ortsteil oder einen Stadtbezirk, wird der Name mit dem Straßenverzeichnis von OpenStreetMap abgeglichen. Nennt er die Nummer eines Bebauungsplans, erhält die Vorlage dessen Geltungsbereich, also die Fläche, für die der Plan gilt. Und viele Vorlagen beziehen sich auf eine andere: Eine Stellungnahme der Verwaltung antwortet auf einen Antrag, ein Änderungsantrag ändert eine Beschlussvorlage. Solche Vorlagen übernehmen den Ort der Vorlage, auf die sie sich beziehen.
Diese Wege sind unterschiedlich zuverlässig. Ein Straßenname kann in mehreren Ortsteilen vorkommen oder Teil eines längeren Namens sein. Deshalb sagt jeder Ort auf der Karte, woher er stammt und wie sicher er ist. Etwa 57 % der Vorlagen haben trotz allem keinen erkennbaren Ort. Manche betreffen tatsächlich die ganze Stadt, etwa der Haushalt; bei anderen gibt der Titel schlicht keinen Hinweis. Sie erscheinen unter „stadtweit“, statt mit einem geratenen Ort auf der Karte zu landen.
Beim Datenschutz gilt eine feste Regel. Bürgeranträge stammen von Privatpersonen, und deren Wohnadresse gehört nicht auf eine öffentliche Karte. Die Karte zeigt deshalb nie Hausnummern, und Bürgeranträge erscheinen nur auf der Ebene der Straße, auch wenn die Quelle genauer ist.
Eine eigene Ebene zeigt 1.128 rechtskräftige Bebauungspläne. Ein Bebauungsplan legt fest, was auf einer Fläche gebaut werden darf und in welcher Form. Zu jedem Plan gibt es eine Planchronik. Sie zeigt die Schritte, die das Baugesetzbuch für ein solches Verfahren vorsieht, und ordnet ihnen die zugehörigen Vorlagen zu. So kann nachvollzogen werden, wie aus einer ersten Idee über mehrere Beschlüsse ein geltender Plan geworden ist.
Wann und wie? Der Weg einer Vorlage
Eine Vorlage wird selten in einer einzigen Sitzung erledigt. Meist durchläuft sie mehrere Gremien, etwa so: Die Bezirksvertretung gibt eine Empfehlung, ein Fachausschuss berät, der Rat entscheidet. Diese Reihe heißt Beratungsfolge. Die RIS-Karte macht daraus für jeden Vorgang eine Prozesslinie. Sie beginnt mit der Einreichung und führt über jede Beratung, mit Gremium, Datum und dem Ergebnis im Wortlaut der Quelle, bis zu den Folgevorlagen, die daraus entstanden sind.
Nicht jede Station ist gleich gut belegt, und das zeigt die Linie offen. Jeder Schritt trägt einen von vier Evidenzstatus. Belegt ist, was die Quelle ausdrücklich nennt, etwa eine Beratung mit Datum und Ergebnis. Abgeleitet ist, was die Karte aus den Daten erschließt. Nicht öffentlich sind Schritte, die stattfinden, aber nicht einsehbar sind, wie die Vorbereitung einer Vorlage in der Verwaltung. Unklar bleibt schließlich vieles, vorrangig die Frage, ob ein Beschluss später umgesetzt wurde. Lücken bleiben so sichtbar, statt geglättet zu werden. Auch sie sagen etwas darüber, wie ein Verfahren abläuft und an welchen Stellen es für Außenstehende schwer zu verfolgen ist.
Neben diesem Ist-Verlauf zeigt die Seite das Soll. Für jeden Vorgang ist beschrieben, was die Regelwerke vorsehen: die Gemeindeordnung des Landes Nordrhein-Westfalen, die Geschäftsordnung, die Hauptsatzung und die Bezirkssatzung der Stadt sowie die Zuständigkeitsordnung. Daraus ergeben sich die Schritte eines Verfahrens mit ihrer Rechtsgrundlage, die Fristen und die Antwort auf eine Frage, die von außen oft schwer zu beantworten ist: Wer entscheidet was? Ist die Bezirksvertretung zuständig oder der Rat? Muss vorher ein Ausschuss beraten?
Das Modell dafür stammt aus dem Projekt „Bonn entscheidet“ (github.com/anster2025). Ich habe es übernommen und um eigene Schritte ergänzt, die jeweils belegt sind. Weicht der tatsächliche Verlauf vom Soll ab, erscheint ein „Befund“. Mir ist wichtig, wie dieses Wort gemeint ist: Ein Befund beschreibt eine Abweichung, er ist ausdrücklich keine Bewertung. Ein Verfahren kann aus guten Gründen anders verlaufen, als ein vereinfachtes Modell es erwartet.
Eine Zeitleiste zeigt schließlich, wie sich die Vorlagen über die Jahre verteilen: je Monat, zusammen mit den Sitzungsterminen und den Wahlperioden. Wer darin einen Zeitraum aufzieht, filtert damit Karte und Liste.
Was wurde aus dem Beschluss?
Nach einer Ratsentscheidung bleibt oft eine Frage offen: Ist daraus etwas geworden? Das steht in keiner öffentlichen Schnittstelle. Einen Hinweis können Baustellen geben. Die Stadt veröffentlicht Meldungen zu ihren Baustellen, und die RIS-Karte archiviert sie seit dem 19. Oktober 2026 täglich. So kann verfolgt werden, ob dort gebaut wird, wo zuvor etwas beschlossen wurde.
Die Schwierigkeit liegt auf der Hand: Nicht jede Baustelle in einer Straße hat mit einem bestimmten Beschluss zu tun. Die Station „Mögliche Umsetzung“ erscheint deshalb nur, wenn sechs Bedingungen zugleich erfüllt sind. Die Baustelle liegt höchstens 150 Meter vom Ort der Vorlage entfernt und in derselben Straße. Sie hat erst nach der Entscheidung begonnen. Das Vorhaben gehört zu Tiefbau oder Verkehr, der Titel der Vorlage nennt eine passende Baumaßnahme, und es handelt sich um einen Baubeschluss der Verwaltung. Diese letzte Bedingung ist aus einer von Hand geprüften Stichprobe hervorgegangen.
Derzeit erfüllen 7 Vorgänge an 5 Baustellen diese Bedingungen. Die Zahl ist klein, weil die Bedingungen streng sind. Auch dann bleibt eine solche Station ein Indiz und kein Beleg.
Wer? Zuständigkeiten und eigene Wege
Zur Frage nach dem „Wer“ gehören zwei Seiten. Die eine betrifft die Institutionen: Welches Amt der Verwaltung ist zuständig, welche Gremien beraten, welche Partei hat einen Antrag gestellt? Danach kann gefiltert werden und die Prozesslinie zeigt, welches Gremium an welcher Station beteiligt war.
Die andere Seite betrifft die eigenen Möglichkeiten. Zu jedem Vorgang zeigt die Seite, welche Wege das Regelwerk beim jeweiligen Stand vorsieht, um sich einzubringen, jeweils mit Frist und Rechtsgrundlage. Man kann eine öffentliche Sitzung besuchen und zuhören. Man kann eine Einwohnerfrage stellen. Man kann die Fraktionen oder die Bezirksverordneten ansprechen. Und man kann einen eigenen Bürgerantrag nach § 24 der Gemeindeordnung NRW stellen. Dafür nennt die Seite das zuständige Gremium und die nächste Sitzung, die man mit einem Antrag noch erreichen kann.
Wer an einem Thema dranbleiben möchte, findet einen Sitzungskalender mit den Tagesordnungen, den man als Kalenderdatei in den eigenen Kalender übernehmen kann. Es gibt Feeds für einzelne Gebiete, etwa „Neu in Endenich“, und für einzelne Vorgänge. Und wenn ein Ort auf der Karte nicht stimmt, führt der Link „Verortung falsch?“ zu einer Rückmeldung. Solche Hinweise helfen, die Verortung Schritt für Schritt zu verbessern.
Fragen stellen: der Ratsassistent
Manche Fragen lassen sich mit Filtern schlecht stellen, etwa: Was wurde in den vergangenen Jahren zu einer bestimmten Straße beraten, und wie ist es ausgegangen? Dafür gibt es einen Ratsassistenten. Ein Sprachmodell beantwortet Fragen ausschließlich mit den Daten der Seite. Zu jeder Antwort zeigt es Quellenkarten, die erkennen lassen, auf welche Vorlagen sich die Antwort stützt. Nennt das Modell eine Drucksachennummer, die sich in den Daten nicht findet, wird sie markiert. Die Antworten sind deutlich als KI gekennzeichnet.
Um den Assistenten zu nutzen, benötigt man einen eigenen Schlüssel bei einem Anbieter wie Anthropic, Mistral oder OpenRouter oder man verbindet ein lokales Modell. Der Schlüssel wird nicht dauerhaft gespeichert. Wichtig ist mir dabei: Der Assistent ist ein Zugang zu den Daten, keine Auskunftsstelle. Er kann sich irren, und deshalb führt jede Antwort zu den Quellen zurück.
Was die Karte nicht kann!!!
Zu einem ehrlichen Werkzeug gehört, seine Grenzen zu benennen. Die RIS-Karte wertet die Titel und Metadaten der Vorlagen aus, nicht die Texte der Dokumente selbst. Ein Ort, der nur im Text einer Vorlage steht, bleibt ihr verborgen. Nichtöffentliche Beratungen fehlen, ebenso alle Vorlagen vor Oktober 2019. Das Soll nach Regelwerk ist ein vereinfachtes Modell; es ersetzt keine Rechtsauskunft. Ob ein Beschluss umgesetzt wurde, bleibt in den meisten Fällen „unklar“. Und während das Soll-Modell und die Baustellen-Zuordnung bereits an Stichproben geprüft sind, stehen solche Prüfungen für die Verortung und die Themen noch aus.
Warum braucht es ein solches Projekt aus der Zivilgesellschaft?
Die RIS-Karte ist beim Hackathon „Hack den Stadtrat“ entstanden, den ich mit meinem Team Bartosz (bitcircus), Christoph (machdenstaat) und Sascha (bonn.digital) veranstaltet habe. Über den Tag verteilt kamen 25 bis 30 Menschen. Wir haben wie bei einem Barcamp begonnen, mit einer Vorstellungsrunde und der Frage, wer was mitbringt und woran arbeiten möchte. Daraus bildeten sich schnell mehrere Stränge: ein Newsletter für das Zukunftsforum Endenich mit den Ratsinformationen, die den Stadtteil betreffen; das Geo-Tagging von Ratsinformationen, also die Frage, wo in Bonn eigentlich passiert, was im Rat verhandelt wird; und die Frage, was in OParl-Lite, dem Spiegel der Bonner Ratsdaten von machdenstaat, steckt und was fehlt. Am Geo-Tagging knüpft die RIS-Karte an. Am Abend lag außerdem die Idee eines Arbeitsflusses für Endenich auf dem Tisch: Ein von KI erstelltes „Zwischen-Wiki“ wird redaktionell bearbeitet und geht in eine Nachrichtenseite für den Stadtteil über, von der Ratsvorlage zur Nachricht im Viertel.
Warum ergibt es Sinn, so etwas aus der Zivilgesellschaft heraus anzugehen? Die Stadt Bonn hat mit ihrer offenen Schnittstelle die Voraussetzung geschaffen. Offene Daten sind aber zunächst ein Angebot an diejenigen, die mit Daten umgehen können. Damit aus offenen Daten öffentliches Wissen wird, braucht es Übersetzungsarbeit: Jemand muss die Daten so aufbereiten, dass sie die Fragen beantworten, die Menschen in ihrem Alltag haben. Diese Fragen entstehen in Stadtteilinitiativen, in Nachbarschaften und Vereinen, also dort, wo Menschen erleben, was eine Entscheidung im Rat für ihre Straße bedeutet. Die Verwaltung ordnet nach Zuständigkeiten, die Lebenswelt ordnet nach Orten. Ein Hackathon kann beide Blickwinkel an einen Tisch bringen: Menschen mit Ortskenntnis und Anliegen, Menschen mit Erfahrung in Daten und Programmierung und Menschen, die wissen, wie Rat und Verwaltung arbeiten.
Ein zivilgesellschaftliches Werkzeug hat dabei eine andere Rolle als das amtliche System. Es ersetzt ALLRIS nicht und spricht nicht für die Stadt. Es kann ausprobieren, Vermutungen anbieten und Zusammenhänge herstellen, die in keiner Datenbank stehen, etwa zwischen einem Beschluss und einer Baustelle. Gerade deshalb trägt es eine besondere Verantwortung: Es darf nicht mehr behaupten, als die Quellen hergeben. Daraus folgen die Entscheidungen, die sich durch die ganze Karte ziehen: die Unterscheidung zwischen belegt und abgeleitet, die sichtbaren Lücken und der Befund, der keine Bewertung ist. Sie sollen Vertrauen in zwei Richtungen ermöglichen. Bürger:innen sollen sich auf die Angaben verlassen können. Und Verwaltung und Politik sollen erkennen, dass ihre Arbeit hier nicht vorgeführt, sondern nachvollziehbar gemacht wird.
Schließlich ist die Karte selbst ein Gemeingut, das auf anderen Gemeingütern aufbaut: auf den offenen Daten der Stadt, auf OParl-Lite von machdenstaat, auf dem Regelwerksmodell aus „Bonn entscheidet“ und auf OpenStreetMap. Code und Daten gehen offen zurück, damit andere weiterbauen können, in Bonn und in anderen Städten mit OParl-Schnittstelle. Auch das verstehe ich als Form von Beteiligung. Mehr dazu auf der Seite machdenstaat.de.
Teil 2: Wie die Karte gebaut ist
Dieser Teil richtet sich an alle, die selbst mit Ratsdaten arbeiten oder die Karte weiterentwickeln möchten.
Quellen und Lizenzen
Die wichtigste Quelle ist die OParl-Schnittstelle der Stadt Bonn (CC0). Sie liefert die Vorlagen mit ihren Metadaten, das federführende Amt, die Beratungsfolge mit Gremium und Rolle und bei einem Teil der Vorlagen eine Koordinate. Was sie nicht liefert, ist die direkte Verbindung zwischen einer Vorlage und der Sitzung, in der sie beraten wurde, samt Tagesordnungspunkt und Ergebnis. Diese Verbindung kommt aus OParl-Lite Bonn von machdenstaat (CC BY 4.0). Erst beide Quellen zusammen ergeben die Prozesslinie. Dazu kommen die Geodaten der Stadt Bonn (CC0) und OpenStreetMap (ODbL), unter anderem für das Straßenverzeichnis und die Kartenkacheln. Das Regelwerksmodell stammt aus „Bonn entscheidet“ (MIT). Der Code der RIS-Karte steht unter MIT-Lizenz; die Daten haben eine eigene Lizenzdatei.
Die Datenverarbeitung
Die Pipeline ist in Python geschrieben und läuft einmal täglich über GitHub Actions. Sie ruft die Daten ab, verknüpft Vorlagen, Beratungen, Sitzungen, Gremien und Ämter miteinander und verortet die Vorlagen auf den drei Wegen aus Teil 1: Abgleich von Straßen-, Ortsteil- und Bezirksnamen im Titel mit dem OpenStreetMap-Straßenverzeichnis, Zuordnung von Bebauungsplan-Nummern zu ihrem Geltungsbereich und Übernahme des Ortes von der Bezugsvorlage. Jeder Ort trägt die Methode, mit der er entstanden ist, und eine Angabe dazu, wie sicher er ist.
Für das Soll wird der Ist-Verlauf eines Vorgangs mit den Schritten des Regelwerksmodells verglichen; daraus entstehen die Befunde. Die Baustellenmeldungen der Stadt werden täglich archiviert, und jede Baustelle wird gegen die sechs Bedingungen aus Teil 1 geprüft. Zum Datenpaket gehören Prüfprotokolle im TSV-Format, die sich mit jeder Tabellenkalkulation öffnen lassen.
Eine statische Seite
Die Seite selbst ist statisch: Sie besteht aus Dateien, die ohne eigene Server-Logik ausgeliefert werden. Die Karte nutzt Leaflet. Schrift und Kartenbibliothek liegen lokal bei der Seite; von außen geladen werden nur die Kartenkacheln von OpenStreetMap. Solange man den Ratsassistenten nicht nutzt, entstehen beim Aufruf also außer zu den Kartenkacheln keine Verbindungen zu Dritten. Für den Betrieb heißt das außerdem, dass die Seite einfach zu hosten ist.
Der Ratsassistent folgt demselben Gedanken. Man bringt einen eigenen Schlüssel mit oder verbindet ein lokales Modell; der Browser spricht den Anbieter direkt an, nicht über einen Server der RIS-Karte. Der Schlüssel wird nicht dauerhaft gespeichert. Das Modell antwortet ausschließlich auf Grundlage der Daten der Seite. Drucksachennummern in seinen Antworten werden gegen den Datenbestand abgeglichen, und was sich nicht belegen lässt, wird markiert.
Bei der Barrierefreiheit ist das Ziel WCAG 2.1 AA, auch auf dem Smartphone. Die Liste als gleichwertige Alternative zur Karte gehört dazu. Ein Startfenster „Los geht’s“ führt mit einer Tour in 14 Schritten in die Seite ein.
Offene Daten
Was die Pipeline erzeugt, steht seinerseits offen zur Verfügung und wird täglich aktualisiert: ein GeoJSON der verorteten Vorlagen, eine Beschreibung des Datensatzes nach DCAT-AP, einem europäischen Standard für Datenkataloge, und ein Datenpaket mit den Prüfprotokollen. So lassen sich die Ergebnisse auch in anderen Anwendungen nutzen oder in Datenportale einbinden.
Prüfen von Hand
Automatische Verfahren brauchen eine Kontrolle durch Menschen. Von Hand geprüft sind bisher zwei Stichproben. Die erste umfasst 30 Vorgänge zum Soll-Modell; alle wurden bestätigt. Die zweite umfasst 30 Kandidaten für die Station „Mögliche Umsetzung“; aus ihr ist die Regel hervorgegangen, nur Baubeschlüsse zu berücksichtigen. Wo ein Sprachmodell eine Vorprüfung übernommen hat, ist das gekennzeichnet. Eine solche Vorprüfung ersetzt die Prüfung von Hand nicht. Stichproben zur Verortung und zu den Themen stehen noch aus. Entwickelt habe ich die Anwendung mit Unterstützung von Claude Code, einem KI-Werkzeug für die Programmierung. Code und Daten liegen auf GitHub.
Ausprobieren und mitmachen
Ich freue mich über jede Rückmeldung: über falsch verortete Vorlagen, fehlende Schritte in einer Prozesslinie oder Ideen, was die Karte noch zeigen könnte. Wer mag, kann auf GitHub direkt beitragen. Und wer in einer anderen Stadt mit OParl-Schnittstelle lebt, kann das Prinzip dorthin übertragen.
Den Hackathon wollen wir möglichst noch in diesem Jahr wiederholen. Wer dabei sein möchte, findet alles Weitere auf der Seite zu „Hack den Stadtrat“. Mein Dank gilt der Stadt Bonn für die offenen Daten, machdenstaat für OParl-Lite und dem Projekt „Bonn entscheidet“ für das Regelwerksmodell. Und allen, die beim Hackathon dabei waren: danke fürs Kommen, Mitdenken und Fragenstellen.
-> zur Webseite ris-bonn.datenatlas.de




